Freistellungsauftrag für Kapitalerträge

In Deutschland sind Kapitalerträge grundsätzlich steuerpflichtig. Wer Zinseinnahmen oder Kursgewinne erwirtschaftet, muss darauf Abgeltungssteuer in Höhe von 25 % entrichten – zuzüglich davon wiederum 5,5 % als Solidaritätszuschlag. Allenfalls Kursgewinne durch noch vor 2009 begonnene Geldanlagen unterliegen auch aktuell noch einer begünstigten Steuerregelung und bleiben steuerlich betrachtet entsprechend außen vor.

Der sogenannte Freistellungsauftrag für Kapitalerträge ermöglicht Sparern allerdings steuerfreie Erträge. Mithilfe dieses Auftrags können Steuerpflichtige maximal 801 Euro (Alleinstehende) bzw. maximal 1602 Euro (zusammen veranlagte Ehegatten) pro Jahr von der Steuerpflicht befreien. Sowohl Zinserträge als auch Kursgewinne werden dabei in Summe betrachtet. Was Zinseinnahmen betrifft, spielt zudem beispielsweise keine Rolle, mit welcher Art Konto die betreffenden Erträge erzielt wurden. So sind Zinszuwächse klassischer Sparanlagen ebenso steuerpflichtig wie Zinszahlungen auf Girokontoguthaben und müssen entsprechend freigestellt werden. Überschreitet die Gesamtsumme der Zinserträge die mittels Freistellungsauftrag befreite Summe, werden auf den darüber hinaus gehenden Betrag wiederum Abgeltungssteuer und Solidaritätszuschlag berechnet. Dies gilt auch dann, wenn von vornherein gar keine Zinsfreistellung durch den Kunden erfolgt.

In der Praxis kommt es nicht selten zu Schwierigkeiten bezüglich der optimalen Verteilung der persönlichen Freistellungssumme. Der Grund dafür liegt in der Tatsache, dass jedes Kreditinstitut separate Freistellungen benötigt und die zulässige Höchstsumme (801 Euro bzw. 1602 Euro) nicht überschritten werden sollte. Vor allem wenn Kunden mehr als zwei Banken bzw. Sparkassen nutzen, kann es – auch je nach Anlagearten – schnell relativ kompliziert werden. Deshalb gilt es immer, vorab Schritt für Schritt zu prüfen, welche Freistellungssumme beim jeweiligen Kreditinstitut nötig ist und diese nur in entsprechender Höhe zu stellen – sofern Anleger ihre jeweils gültigen Maximalfreistellungssummen insgesamt ausschöpfen werden. Denn eine Überschreitung der Höchstsummen sollte aufgrund möglicher Probleme mit den Finanzämtern in jedem Fall vermieden werden.

Die Freistellung von Kapitalerträgen ist relativ unkompliziert. Dazu existieren verschiedene Formulare, die Kreditinstitute unkompliziert zur Verfügung stellen. Für zusammen veranlagte Ehegatten ist wichtig, dass beide Ehepartner den Auftrag unterschreiben. Eine Unterschrift genügt in diesem Fall nicht. Das gilt auch dann, wenn getätigte Anlagen nur auf einen der beiden Ehegatten lauten. Auch formlose Vollmachten oder Freistellungsformulare sind in diesem Zusammenhang grundsätzlich nicht zulässig. Zudem ist es bereits seit 2011 erforderlich, die Steueridentifikationsnummer (Steuer-ID) des bzw. der Steuerpflichtigen auf dem Freistellungsauftragsformular anzugeben. Andernfalls wird ein Kreditinstitut den Auftrag nicht anerkennen können.

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